150 Jahre Schwulenbewegung - Festakt zu Karl Heinrich Ulrichs 26.8.2017

An ein besonderes Ereignis der gesellschaftlichen Formierung der lange unterdrückten, ausgegrenzten und verfolgten Gruppe der Homosexuellen erinnerte am Samstag, 26. August, um 19 Uhr das NS-Dokumentationszentrum München, Brienner Straße 34, im Rahmen eines Festakts.

Vor 150 Jahren, am 29. August 1867, forderte Karl-Heinrich Ulrichs auf dem Deutschen Juristentag öffentlich eine reichseinheitliche Straffreiheit gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Seine Rede war revolutionär und leistete einen wesentlichen Beitrag zum Bewusstsein einer rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Homosexuellen.

Nach Ulrichs wegweisendem Auftritt dauerte es jedoch noch 30 Jahre, bis mit der Gründung des Wissenschaftlich Humanitären Komitees die Basis für eine verstetigte Homosexuellenvertretung geschaffen wurde. Vier Jahre nach der Rede wurde im Jahr 1871 der Paragraph 175 im Strafgesetzbuch verankert. Dessen Geschichte bis hin zur aktuellen Diskussion um eine Entschädigung der Opfer des bis 1994 gültigen Gesetzes wurde in dem Festakt thematisiert.

Im Rahmen des Festakts wurde an das historische Ereignis und an Karl Heinrich Ulrichs (1825–1895), den „Urvater“ der Homosexuellenbewegung erinnert. Neben einem Re-Enactment durch Laienschauspieler wurde Ulrichs Wirken im Rahmen von Vorträgen aus historischer und juristischer Sicht gewürdigt: Karl Heinrich Ulrichs wurde von Üke Schilling gespielt. Nach der Begrüßung durch ... (NS-Dokumentationszentrum) und Anmoderation von Albert Knoll (Vorstand Forum Homosexualität München) kam Wolfram Setz (Autor mit Dokumentationen zu Karl Heinrich Ulrichs), danach Anke Müller-Jacobsen (Deutscher Juristentag) und Andreas Pretzel (150 Jahre Umgang mit §175). Die Zeitzeugen waren der 98-jährige Erich Haas, Klaus Born und Helmut Kress.

Ergänzend zum Festakt fand ebenfalls am 26. August um 15.30 Uhr ein Stadtrundgang auf den Spuren von Karl-Heinrich Ulrichs statt. Treffpunkt war der Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz im Glockenbachviertel.

Die Veranstaltungen wurden vom forum homosexualität münchen e. V. in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum München realisiert.

Weitere Informationen: http://www.forummuenchen.org/

Bilder: queerelations 2017 / Wolfgang Fänderl